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Beratung und Vermittlung von Freiwilligen

In der Beratung von Freiwilligen sind Sie die Expertinnen und Experten. Selbstverständlich ist, dass der Umgang mit Freiwilligen stets respektvoll sein sollte und die persönlichen Stärken und Wünsche im Vordergrund stehen– unabhängig davon ob eine Behinderung vorliegt oder nicht. Und somit ist die Beratung von Menschen mit Behinderungen eigentlich kein „Neuland“ für Freiwilligenagenturen. Einige Dinge können Sie jedoch beachten und umsetzen, um gute Ausgangsbedingungen für eine erfolgreiche Beratung und Vermittlung von Freiwilligen mit Behinderungen zu schaffen. Gleich zu Beginn finden Sie auf dieser Seite Tipps und Materialien für den Bereich Die Beratungssituation gestalten. Weiter unten haben wir die Bereiche Eine gemeinsame Sprache finden und Einsatzstellen unterstützen eingerichtet.

 

Die Beratungssituation gestalten

Sollten Sie sich zunächst unsicher fühlen, wie Sie Menschen mit Behinderungen begegnen, werfen Sie doch direkt einmal einen Blick auf die „Knigge-Tipps zum respektvollen Umgang mit Menschen mit Behinderungen“, die der Paritätische Hessen zusammengestellt und veröffentlicht hat. Kurz, übersichtlich und auf den Punkt, klärt die Broschüre über respektvolles Verhalten auf.
Laden Sie sich die Broschüre hier herunter:

Für erfolgreiche Beratungsgespräche ist eine einladende und gleichzeitig geschützte Atmosphäre die beste Voraussetzung. Für eine möglichst offene und unbefangene Gesprächssituation sollten ggf. bestehende Unsicherheiten und Ängste berücksichtigt werden. Erfahrungswerte, wie Sie in der Beratungssituation dazu beitragen können eine für alle gute Atmosphäre und Kommunikationssituation zu gestalten, werden im Praxisleitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf den Seiten 17,18  erläutert. Die bagfa-Tipps auf einem Blick:

  • Planen Sie eine längere Zeit für Beratungs- und Vermittlungsprozesse ein.
  • Arbeiten Sie mit ganz konkreten Beispielen von Menschen mit Behinderungen, die sich bereits engagieren. Schaffen Sie starke Bilder – und Vorbilder.
  • Nutzen Sie für die Beratung von Menschen mit Lernschwierigkeiten eine einfache und verständliche Sprache (Stichwort: Infoblätter und Fragebogen Erstgespräch)
  • Beachten Sie, dass Krankheitsgeschichten und Diagnosen im Detail keine Rolle bei der Vermittlung spielen.
  • Orientieren Sie sich an den Ressourcen der Menschen und sprechen Sie gleichzeitig Unterstützungsbedarf und ggf. Einschränkungen (Lesen, Schreiben, Orientierung, etc.) offen, aber sensibel an. Fragen könnten hier beispielsweise sein:
    • Was bedeutet die Einschränkung im Alltag konkret?
    • Kann eine unterstützende Person diese Einschränkung entlasten?
    • Welche Tätigkeit kann ausgeführt werden?
    • Wie kann die gewünschte Tätigkeit ggf. verändert werden, sodass sie ausgeführt werden kann?

     

  • Finden Sie passende Einsatzsfelder, indem Sie gegebenenfalls neue erschließen und große Tätigkeitsfelder in kleinere aufteilen (Stichwort: Talentorientierung).
  • Machen Sie, wenn dies gewünscht wird und Sie es auch ermöglichen können, Begleitangebote wie z.B. eine Begleitung zum Erstgespräch oder das gemeinsame Üben der Wege zum Einsatzort. Wenn es Ihnen selbst nicht möglich ist, eine Begleitung anzubieten, überlegen Sie auch, ob sie ggf. über Kooperationspartner organisiert werden kann.
  • Nehmen Sie Menschen mit Behinderungen als Expert/innen für ihren eigenen Unterstützungsbedarf ernst! Sie als Freiwilligenagentur sind Expert/innen für Engagement und nicht für Unterstützungsleistungen. Wer zu Ihnen kommt ist es gewohnt, mit ihrer/seiner Behinderung zu leben und kennt ihren/seinen Unterstützungsbedarf.
  • Binden Sie Menschen mit Behinderungen im Rahmen von Peer-Beratungs-Ansätzen (Beratung durch Menschen in ähnlichen Lebenssituationen) in Ihr Team ein.
  • Bieten Sie „Schnupperengagements“ an, z.B. im Rahmen des Freiwilligentages oder anderen Aktionen.

Eine gemeinsame Sprache finden

Ein ganz wesentlicher Aspekt im Beratungsgespräch und in der Vermittlungsarbeit ist die Kommunikation und Verständigung zwischen Beratenden und Beratungsnehmer/innen. Um ein passendes Engagement und einen passenden Einsatzort zu finden, braucht es eine gute Verständigung über die Interessen, Wünsche und Stärken der interessierten Person. Aber auch die Informationen über die Möglichkeiten sich vor Ort zu engagieren müssen auf eine Weise vermittelt werden, die eine bewusste Entscheidung der/des Freiwilligen ermöglicht. Die Beratungssituation sollte also sprachlich so gestaltet werden, dass eine bestmögliche Verständigung auf beiden Seiten erreicht werden kann.Was das im Einzelnen bedeutet, hängt selbstverständlich von der individuellen Situation mit der/dem Beratungsnehmer/in ab.

Gebärdensprache in der Beratung

Beraten Sie gehörlose Menschen, so findet die Kommunikation in der Regel in  Gebärdensprache statt. Eine Einführung in Deutsche Gebärdensprache hat der  Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. auf seiner Webseite als FAQs Deutsche Gebärdensprache veröffentlicht. Auch wenn in Ihrer Agentur aktuell kein/e Kolleg/in in der Beratung tätig ist, die entsprechende Kompetenzen mitbringt, können Sie etwas unternehmen, um die Kommunikation im Bedarfsfall zu ermöglichen. Dazu drei Tipps:

  • Der Deutschen Gehörlosenbund e.V. hat auf seiner Webseite eine Übersicht der Landesverbände veröffentlicht. Prüfen Sie doch einmal ob es eine Geschäftsstelle oder angeschlossene Vereine in Ihrer Nähe gibt, nehmen Sie Kontakt auf und schildern Sie ihr Anliegen.
  • Ein weiterer interessanter Ansprechpartner können Hochschulen sein, die Deutsche Gebärdensprache oder auch den neuen Studiengang Barrierefreie Kommunikation anbieten. Auf www.studis-online.de finden Sie z.B. eine solche Übersicht.
  • Das Unternehmen VerbaVoice bietet eine Echtzeitübersetzung in Deutsche Gebärdensprache an. Das in Lautsprache gesprochene Wort wird dabei von online zugeschalteten Dolmetscher/innen in Gebärdensprache übersetzt und auf einem digitalen Endgerät wie z.B. dem Computer, Tablet oder Smartphone angezeigt. Die Übersetzung ist eine Dienstleistung, die eingekauft werden muss.

Einfache Sprache in der Beratung

Um sich auf verschiedene Bedürfnisse in Hinblick auf gelingende Kommunikation in Beratungsgesprächen einzustellen, ist es sinnvoll, sich mit den Grundlagen Einfacher Sprache und Leichter Sprache vertraut zu machen. Im folgenden finden Sie zu beiden Sprachkonzepte eine kurze Einführung, Empfehlungen zum Weiterlesen sowie Arbeitsmaterialien, die Sie als Inspiration für Ihre Beratungsmaterialien nehmen oder auch direkt in der Beratung anwenden können.Für jede Beratungssituation ist es zuträglich, wenn das Gespräch in Einfacher Sprache geführt wird und auch die in der Beratung verwendeten Materialien wie der Beratungsbogen oder Info-Material zu möglichen Einsatzstellen in Einfacher Sprache vorhanden sind. Für Beratungsnehmer/innen mit unterschiedlichen Leseschwierigkeiten, wie z.B. funktionale Analphabeten, Personen mit Lese-Rechtschreibschwäche oder Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, kann die Beratung in Einfacher Sprache ganz konkret Teilhabebarrieren abbauen.

Für Einfache Sprache gibt es bisher kein einheitliches Regelwerk, sondern lediglich einige Empfehlungen. Wenn Sie sich näher mit den Kriterien für Einfache Sprache befassen möchten, empfehlen wir Ihnen für den Einstieg den Blogbeitrag Einführung in die Einfache Sprache von Domingos de Oliveira, Dozent und Referent für Inklusion und Barrierefreiheit u.a. für Aktion Mensch e.V.

Ganz konkrete Vorschläge, wie Einfache Sprache in Beratungsgesprächen mit Freiwilligen angewendet werden kann, hat das Diakonische Werk Hamburg im Rahmen des abgeschlossenen Projekts „Selbstverständlich Freiwillig“ entwickelt und veröffentlicht.

Laden Sie sich die Tipps für Einfache Sprache in der Beratung hier herunter: 

Leichte Sprache in der Beratung

Leichte Sprache ist in der Beratungsarbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten von Bedeutung. Im Gegensatz zu Einfacher Sprache folgt Leichte Sprache festen Regeln, die von den Mitgliedern des Netzwerks Leichte Sprache erarbeitet und veröffentlicht wurden. Die Selbstvertretungsorganisation von Menschen mit Lernschwierigkeiten Mensch zuerst — Netzwerk People First Deutschland e.V. hat ein Heft zum Thema Beratung von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Leichter Sprache veröffentlicht. Die goldenen Regeln für eine gute Beratung für und von Menschen mit Lernschwierigkeiten sollen vor allem eine Leitlinie für die Arbeit der derzeit neu entstehenden Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatungsstellen sein. Auch für die Engagementberatung in Freiwilligenagenturen bietet die Lektüre der goldenen Regeln eine gute Hilfestellung für die Gestaltung der Beratungssituation.

Laden Sie beide Veröffentlichungen hier herunter:

Erklärungen zu freiwilligem Engagement in Leichter Sprache

An verschiedenen Standorten haben Kolleginnen und Kollegen aus Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen in Projekten bereits Materialien in Leichter Sprache für ihre Beratungs- und Informationsarbeit  entwickelt. Dazu zählen Texte  zu grundlegenden Fragen, wie:

  • Was ist freiwilliges Engagement?
  • Welche Möglichkeiten für Freiwilliges Engagement gibt es vor Ort?
  • Was macht eine Freiwilligenagentur?

Im Rahmen des Projekts Gemeinsam Engagiert  des Freizeit- und Kulturzentrums Neue Schmiede in Bielefeld wurde zusammen mit Menschen mit Lernschwierigkeitendie Broschüre Ehren-Amt in Bielefeld. Alle können mitmachen! erarbeitet. In sechs Kapiteln enthält sie ein „Komplettpaket“ an Informationen zu freiwilligem Engagement (in Bielefeld) in Leichter Sprache.

Laden Sie sich die Broschüre hier herunter:

Neben den „Tipps für Einfache Sprache im Beratungsgespräch“wurden im Projekt „Selbstvertständlich Freiwillig“ eine Reihe weiterer Arbeitsmaterialien, Checklisten und Erklärungen für die Beratung, Vermittlung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen im freiwilligen Engagement erarbeitet und in dem Praxisleitfaden „Engagement von Menschen mit Behinderungen“ veröffentlicht. Darunter sind  ein Fragebogen für Freiwillige in Leichter Sprache sowie ein Konzept für einen Info-Workshop zu freiwilligem Engagement in Leichter Sprache. Die Freiwilligenagentur Gemeinsinn in Schweinfurt hat im Projekt „Aktiv für andere-Menschen mit Behinderungen in einem Ehrenamt“ ebenfalls einen Fragebogen für Freiwillige und verschiedene weitere Materialien für die Information und Beratung Freiwilliger in Leichter Sprache erstellt.

Laden Sie sich die Fragebögen und das Workshop-Konzept hier herunter:

Einsatzstellen unterstützen

Inklusives Engagement kann nur gemeinsam mit Einsatzsstellen gelingen. Tipps, wie Sie lokale Einsatzstellen für inklusives Engagement öffnen und Gespräche mit Ihren Ansprechpartner/innen vorbereiten können, finden Sie im Leitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf den Seiten 20-22.

Fotos, Bilder oder Videos, die Menschen in ihrem ganz individuellen Engagement zeigen, machen die vielen Möglichkeiten freiwilligen Engagements für Einsatzstellen, aber auch Menschen, die sich engagieren möchten, sichtbar und zeigen, dass es für Jede/n den richtigen Einsatzstort gibt. Die folgenden Videos zeigen Vielfalt im Engagement und können bei Gesprächen mit Einsatzstellen oder in der Runde mit Kooperationspartnern ein guter Einstieg sein.

 

Eine Checkliste mit hilfreichen Fragen und Informationen rund um Engagement von Menschen mit Behinderungen für Einsatzstellen wurde ebenfalls im Projekt „Selbstverständlich Freiwillig“ erstellt und veröffentlicht. Eine solche Checkliste bei Gesprächen mit ihren Ansprechpartner/innen in Einsatzstellen dabei zu haben, kann eine weitere praktische Unterstützung darstellen.

Laden Sie sich die Checkliste hier herunter: