Wir machen Radio



Das Projekt der Freiwilligenagentur Wilhelmshaven befasst sich mit Medienarbeit in Form einer Radiosendung, die von Menschen mit Behinderungen über den Bürgerfunk des lokalen Radiosenders „Radio Jade“ angeboten wird. Menschen mit Behinderungen stellen über den Sender einer breiten Öffentlichkeit unter anderem Themen vor, die (nicht nur) ihre eigene Lebenssituation betreffen. Das Konzept wird mit den Projektteilnehmern im Vorwege in den Redaktionssitzungen besprochen. Die Themen müssen nicht in Zusammenhang mit ihrer Behinderung stehen. Das Angebot trägt zum Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen bei und wird durch einen ehrenamtlichen Mitarbeiter begleitet.

Projektablauf und Höhepunkte

  • die Erfahrung zu machen, ein anerkannter Teil der Sendestruktur des Bürgerfunks zu sein und damit, wie alle anderen auch, dazuzugehören.
  • Spaß am Radiomachen haben – und den haben alle!

Im Sommer 2014 wurde ein Aufruf in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen gestartet. Über diesen Aufruf sollten sich Menschen melden, die Interesse daran haben, beim Wilhelmshavener Lokalsender „Radio Jade“ regelmäßig eine einstündige Sendung mitzugestalten. Für diesen Aufruf wurden auch die Leiterinnen und Leiter der Wohneinrichtungen mit eingebunden.

Im Anschluss daran wurden die Interessentinnen und Interssenten zu einem Informationstreffen persönlich eingeladen. Die Einladung wurde in Leichter Sprache verfasst. Hier konnten sich die Interessierten über das Projekt informieren und sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden. Auch die Chefredakteurin des Radiosenders, die die nötige Schulung durchführen sollte, war anwesend. Ebenfalls war ein ehrenamtlicher Mitarbeiter anwesend, der die zukünftige Redaktion begleiten und unterstützen sollte.

Aus dieser Veranstaltung ergab sich ein fester Personenkreis von fünf Personen, der die Redaktion bildete. Dieser Kreis wurde dann im September von der Chefredakteurin des Senders Radio Jade in einer viertägigen Fortbildung in Theorie und Praxis geschult. Dadurch erlangten sie den „Sendeführerschein“. Der Sendeführerschein berechtigt zum Senden einer Radiosendung bei Radio Jade im Bürgerfunk.

Die erste Sendung, an dem alle das erste Mal „live on air“ waren, fand am 13.10.2014 statt. Seither sendet das Team einmal monatlich donnerstags von 18:00 Uhr – 19:00 Uhr.

Um der Redaktionsgruppe weitere Einblicke in die Arbeit beim Radio zu ermöglichen, führten wir eine Exkursion nach Husum durch. Dort besuchten wir den „Husfunk“. Dort gaben uns Beschäftigte der Husumer Werkstätten einen Einblick in ihre Radioarbeit. Diese Exkursion hat allen einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben und die Gruppenzusammengehörigkeit gefördert. Ein Gegenbesuch des Husumer Projektes in Wilhelmshaven in diesem Jahr ist geplant.

Nach den ersten praktischen Erfahrungen, fand noch einmal eine zweitägige Schulung statt, die sich speziell mit der Frage beschäftigte, wie man ein Interview führt.

Inhalt des Projektes ist:

  • dass Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bekommen, neue Fähigkeiten und Begabungen an sich zu entdecken, in dem sie sich neuen und ungewohnten Herausforderungen stellen. Dieses hat bisher – schon nach kurzer Zeit – zu einer Steigerung des Selbstwertgefühls der Teilnehmenden geführt.
  • einen Zugang zu einem Bereich zu ermöglichen (Bürgerfunk bei Radio Jade), der für jede/n Bürger/in der Region offen steht, aber in der Regel für Menschen mit Lernschwierigkeiten kaum zugänglich ist.
  • die eigene Lebenswelt zu reflektieren und diese angemessen durch Sprache zu kommunizieren.
  • Verantwortung in einem selbstständig agierenden Team zu übernehmen. Jede/r im Team übernimmt Aufgaben in der Vorbereitung der Sendung, die seinen/ ihren Fähigkeiten und Interessen entsprechen. Jede/r ist notwendig, damit die Sendung zu dem gesetzten Termin gesendet werden kann.
  • dass Themen für die Sendungen gemeinsam festgelegt werden und diese dann entsprechend recherchiert werden. Hierfür ist es notwendig, auf fremde Menschen zuzugehen. Dieses ist eine Herausforderung, die unterschiedlich angenommen wird.
  • durch die Sendung Themen, die die Lebenswelt von Menschen mit Behinderungen betreffen, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es wird nicht über die Menschen und ihre Themen gesprochen, sondern sie berichten selbst. Das Ergebnis ist in der Regel: die Themen von Menschen mit Behinderungen sind die gleichen, die Menschen ohne Behinderungen haben.
  • die Erfahrung zu machen, ein anerkannter Teil der Sendestruktur des Bürgerfunks zu sein und damit, wie alle anderen auch, dazuzugehören.
  • Spaß am Radiomachen haben – und den haben alle!

Der monatliche Höhepunkt ist natürlich die Live-Sendung. Hier muss die Technik (Mischpult etc.) eingestellt und bedient werden. Weiterhin muss die Sendungsstruktur, die in den Redaktionssitzungen festgelegt wurde, eingehalten werden. Hierzu bedarf es ein gewisses Maß an Konzentration und Disziplin. Trotz dieser Herausforderungen sind alle hoch motiviert.