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Öffentlichkeitsarbeit mit der Aussicht alle zu erreichen

Andi Weiland | andiweiland.de

Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Freiwilligenagenturen. Die Anlässe, zu denen sie Öffentlichkeitsarbeit machen, sind dabei so unterschiedlich wie die Formate, die sie dafür wählen: die Durchführung einer Auftaktveranstaltung zu Beginn eines neuen Projekts, die Pflege einer eigenen Webseite, die Gestaltung von Flyern und Plakaten, um auf eine bald anstehende Aktion aufmerksam zu machen, die klassische Einladung zu Veranstaltungen und Angeboten der Freiwilligenagentur per E-Mail, oder auch der Dreh eines kurzes Videos, um Ergebnisse der eigenen Arbeit sichtbar zu machen. Um diese Aufzählung etwas abzukürzen: Es gehört zu den Routinen im Arbeitsalltag von Freiwilligenagenturen, Informationen in gedruckter oder digitaler Form bereit zu stellen und zu verbreiten, um entweder ganz bestimmte Zielgruppen oder allgemein die Öffentlichkeit zu erreichen.

Die Art und Weise, wie Sie bei der Gestaltung Ihrer Öffentlichkeitsarbeit vorgehen und welche Kanäle Sie für die Verbreitung Ihrer Produkte wählen, nimmt Einfluss darauf, wen Sie damit erreichen und wen möglicherweise nicht. Für unser Thema Inklusion bedeutet das: Auch in der Art und Weise, wie Freiwilligenagenturen sich und ihre Arbeit der Öffentlichkeit darstellen, kann Teilhabebarrieren für Menschen mit Behinderungen (re)produzieren.

Auf dieser Seite finden Sie für die Bereiche Texte für Print und online-Produkte barrierefrei gestalten, Webseiten und digitale Medien barrierefrei gestalten und Veranstaltungen barrierefrei und inklusiv gestalten Materialien und Informationen, die Ihnen als Anregung dienen und Sie dabei unterstützen können, Produkte und Elemente Ihrer Öffentlichkeitsarbeit barrierearm und inklusiver zu gestalten – mit der Aussicht, zukünftig Menschen mit Behinderungen besser zu erreichen, zu informieren und zum Mitmachen einzuladen. Weitere Tipps und Ideen, z.B. wie Sie eine inklusive (Bild)Sprache in Ihrer Öffentlichkeitsarbeit gestalten, finden Sie im Leitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“ auf den Seiten 25-27.

 

 

Texte für Print- und online-Produkte barrierefrei gestalten

Das Schreiben und Formatieren von Texten für Flyer, Broschüren oder auch für die Webseite gehört zu den Routinearbeiten in der Öffentlichkeitsarbeit. Je nachdem, welche individuellen Voraussetzungen Menschen mitbringen, ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die Gestaltung von Schrift, Texten und Bildern, damit sie lesbar und verständlich sind.

Machen Sie sich mit den Kriterien für eine barrierearme oder barrierefreie Gestaltung von Texten für ihre verschiedenen Formate vertraut, um im nächsten Schritt zu überlegen, wie Sie in die Umsetzung gehen.

Beginnen Sie zum Beispiel mit dem Kurzcheck zur barrierearmen Öffentlichkeitsarbeit für Printerzeugnisse und digitale Medien auf Seite 29 im Leitfaden „Teilhabe möglich machen. Freiwilligenagenturen und Inklusion“. Er zeigt besonders mögliche Barrieren für Menschen mit Sehbehinderungen und Menschen mit Lernschwierigkeiten und gibt erste Anregungen, wie Inhalt, Text- und Schriftgestaltung und Kontraste (z.B. für Printprodukte wie Flyer, Plakate oder Broschüren) barrierearm gestaltet werden können.

Weiterführende Informationen zu Kriterien für die barrierefreie Gestaltung von Print- und digitalen Medien hält der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband auf der Webseite www.leserlich.info vor. Neben Infos zu geeigneten Schriftarten oder Empfehlungen für die Verwendung von Bildern gibt es auf der Seite auch einen Kontrastrechner und einen Schriftgrößenrechner. Mit diesen praktischen Werkzeugen können Sie beispielsweise überprüfen, ob die Schriftgröße Ihres neuen Flyers barrierefrei ist und ob die Farbkontraste stimmen.

Eine praxisbezogene Anleitung für die Umsetzung der Kriterien enthält die ergänzende Handreichung „Leserlich: Schritte zu einem inklusiven Kommunikationsdesign“. Jedes Kapitel schließt mit einer kompakten Zusammenfassung der jeweiligen Regeln und Empfehlungen.

Laden Sie die Handreichung hier herunter:

Barrieren in der Sprache abbauen

Ob in einem Flyer, auf ihrer Webseite oder in Einladungen zu Veranstaltungen – Ihre Texte erreichen mehr Leute, wenn sie verständlich formuliert sind. Eine große Zahl von Menschen profitiert davon, wenn Sie in Einfacher Sprache formulieren, also z.B. auf Fremdwörter und Fachsprache verzichten und Sätze kurz halten. Leitlinien und Prinzipien für Einfache Sprache hat Domingos de Oliveira auf seinem Blog www.netz-barrierefrei.de veröffentlicht. Der Referent für Barrierefreiheit (u.a. für Aktion Mensch e.V.) bietet auch Schulungen zu Einfacher Sprache an.

Einfache Sprache in der Praxis: Der Flyer zum inklusiven Freiwilligentag des Freiwilligenzentrums Kassel

Das Freiwilligenzentrum Kassel hat für ihren inklusiven Freiwilligentag mit dem Motto „Einer für alle“ im Juli 2015 einen Flyer erstellt, in dem die Einsatzmöglichkeiten für den Tag in  Einfacher Sprache beschrieben sind. Sie sind zudem mit Symbolen versehen, die z.B. Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer/innen anzeigen. Damit auch Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung oder blinde Menschen anhand des Flyers Zugang zu Informationen zum Freiwilligentag erhalten, ist die Internetadresse des Freiwilligenzentrums in Braille-Schrift auf den Flyer gedruckt.

Tipp: Über die Webseite www.taktildruck.de können sie u.a. Flyer mit Braille-Prägung oder einzelnen Schriftzüge mit Braille-Prägung zum Aufkleben bestellen. So können Sie auch auf bereits gedruckten Medien nachträglich Barrieren für blinde Menschen verringern.

Laden Sie den Flyer hier herunter:

Von Leichter Sprache profitieren insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten, an Demenz erkrankte Menschen oder z.T. auch gehörlose Menschen.  Für das Formulieren von Texten in Leichter Sprache gibt es ein festes Regelwerk, die Regeln für Leichte Sprache. Sie wurden vom Netzwerk Leichte Sprache erarbeitet und herausgegeben.

Für das Thema freiwilliges Engagement wurden in verschiedenen Projekten von Freiwilligenagenturen und ihren Kooperationspartnern Texte in Leichte Sprache übersetzt und Flyer für die Ansprache neuer Engagierter in Leichter Sprache veröffentlicht. Wir haben Beispiele für Sie zusammengestellt:

Sprachbilder überprüfen

Barrieren in der Sprache entstehen auch, wenn einseitige Sprachbilder, diskriminierende Floskeln und Klischees bei der Berichterstattung oder Ansprache von Menschen mit Behinderungen immer wieder (re)produziert werden werden. Dadurch werden Vorurteile und Berührungsängste in der Gesellschaft verstärkt. Sie können daran mitwirken, vorurteilsbehaftete Bilder von Menschen mit Behinderungen zu verändern, wenn Sie Ihre Sprachbilder überprüfen und Engagierte mit und ohne Behinderungen gleichermaßen in ihren aktiven, gestaltenden Rollen beschreiben und sichtbar machen. Nicht zuletzt, damit sich Menschen mit Behinderungen auch als aktive Bürger/innen angesprochen fühlen.

Das Projekt Leidmedien.de des Sozialhelden e.V. klärt über diskriminierende Sprachbilder auf und zeigt, wie eine Sprache auf Augenhöhe gelingen kann.

Die Fotodatenbank Gesellschaftsbilder.de zeigt ergänzend dazu neue Perspektiven für eine realistische Bildsprache. Die Datenbank enthält Fotos von Veranstaltungen, Aktionen und zu verschiedenen Themen, in denen die Persönlichkeit in ihrem Tun im Vordergrund steht. Die Fotos sind für die  redaktionelle Verwendung kostenfrei verfügbar.

Im Fachausschuss Kommunikation und Medien, angesiedelt bei der Staatlichen Koordinierungsstelle nach Artikel 33 der UN-Behindertenrechtskonvention, wurde der Leitfaden Auf Augenhöhe. Leitfaden zur Darstellung von Menschen mit Behinderung für Medienschaffende erarbeitet. Verena Bentele, ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (2014-2018) hat den Leitfaden herausgegeben. Er zeigt auf, wie eine diskriminierende Darstellungen behinderter Menschen in der Bericherstattung vermieden werden kann.

Laden Sie den Leitfaden hier herunter:

 

Webseiten und digitale Medien barrierefrei gestalten

Eine eigene Webseite zu pflegen gehört in Freiwilligenagenturen zum Standard. Während die technische Pflege eines Webauftritts eher noch an externe Dienstleister vergeben wird, gehört die redaktionelle Pflege von Webseiten oftmals zu den Aufgaben, die hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen selbstverständlich ausführen. Beim Einstellen einer neuen Veranstaltung, dem Hochladen einer Pressemitteilung  mit Fotos vom letzten Freiwilligentag oder dem Einstellen des brandneuen Jahresberichts in Form einer PDF-Datei können Sie dafür Sorge tragen, dass die Inhalte über Ihre Webseite für möglichst viele Menschen wahrnehmbar und nutzbar sind. Etwa indem Sie für eingestellte Bilder Alternativtexte formulieren, Textinhalte nach bestimmten Vorgaben strukturieren oder auch, indem Sie für online veröffentlichte Videos eine Untertitelung erstellen.

Was Sie bei der Gestaltung von Texten, Bildern und Videos für die Barrierefreiheit im Einzelnen tun können, zeigt das

Webinar „Barrierefreies Internet – Texte, Bilder, Videos“

Es ist das dritte Webinar der insgesamt vierteiligen Webinarreihe zu barrierefreiem Webdesign, die das Team von BIK für alle zusammen mit der Haus des Stiftens gGmbH durchgeführt hat. Die Webinare wurden aufgezeichnet, sind untertitelt und können auf der Webseite heruntergeladen werden.

Unter der Überschrift „Barrierefreiheit umsetzen“ ist zudem ein ausführlicher online-Leitfaden eingestellt, der Sie für die barrierefreie Pflege von Webinhalten fit macht. Für einen ersten Überblick ist der ergänzend veröffentlichte Kurzeinstieg: Barrierefreiheit für Webredakteure zu empfehlen.

Laden Sie sich das Dokument hier herunter:

PDF-Dokumente nach Kriterien der Barrierefreiheit erstellen

PDF-Dokumente gehören zur Routine in der online-Kommunikation. Einladungen zu Veranstaltungen werden mit PDF-Dateien im Anhang versendet, das Leitbild der Organisation als PDF auf der Webseite veröffentlicht, etc. Und auch PDF-Dokumente können ein Zugänglichkeitsproblem darstellen, wenn bei der Dokumenterstellung nicht einige Regeln beachtet werden. In der Folge sind beispielsweise für einen Screenreader, den blinde Menschen zum Lesen von Informationen und Dokumenten online verwenden, die Inhalte eines PDF-Dokuments gar nicht oder nur eigeschränkt lesbar.

Auf der Webseite www.einfach-fuer-alle.de stellt Aktion Mensch e.V.  Informationen und verschiedene Anleitungen für die Umsetzung barrierefreier Webgestaltung bereit, darunter auch eine Anleitung für die Gestaltung barrierefreier PDF-Dokumente.

Eine Anleitung für die Erstellung barrierefreier PDF-Dokumente aus Word-Dateien hat das Institut für angewandte Informatik der Technischen Universität Dresden veröffentlicht.

Laden Sie beide Dateien hier herunter:

Videos nach Kriterien der Barrierefreiheit erstellen

Videos sind eine beliebte Form, um Projekte vorzustellen oder auch Engagement bei Aktionen wie z.B. einem Freiwilligentag im Nachgang für die Öffentlichkeitsarbeit sichtbar zu machen. Videos mit Untertiteln, Gebärdensprache oder Audiodeskription, also das Verschriftlichen und Erklären des Inhalts, haben Vorteile für viele Menschen, besonders aber für schwerhörige, gehörlose, sehbehinderte und blinde Menschen.

Auf der Webseite des Projekts BIK für alle ist ein online-Leitfaden für das Erstellen barrierefreier Videos eingestellt. Die Anleitung enthält Informationen und Tipps für den gesamten Prozess von der Konzeption des Videos bis zur nachträglichen Audiodeskription und der Untertitelung mit Youtube.

Eine kompakte Anleitung für die Untertitelung von Videos bei Youtube wurde auf www.medienkompass.de veröffentlicht.

Viele gehörlose Menschen sprechen die Gebärdensprache und sind nicht oder wenig an Schriftsprache gewöhnt. Sie erleichtern gehörlosen Menschen den Zugang zu den Inhalten Ihrer Videos, wenn diese eine Übersetzung in Gebärdensprache enthalten. Lassen Sie sich dazu z.B. von Berufsverbänden der Gebärdensprachdolmetscher/innen beraten.

Beispiele aus der Praxis: Videos von Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen

Die folgenden Videos wurden zu verschiedenen Anlässen und in unterschiedlichen Projekten von Kolleg/innen aus  Freiwilligenagenturen und Einsatzstellen produziert. Sie zeigen, wie Audideskription, Untertitelung und Simultanübersetzung in Deutsche Gebärdensprache in Videos umgesetzt werden.

Veranstaltungen barrierefrei und inklusiv gestalten

Ob Freiwilligentag, lokale Engagementbörse, Auftaktveranstaltung in einem neuen Projekt oder eine öffentlichkeitswirksame Info-Veranstaltung zum Start eines neuen Engagementformats – die Anlässe, zu denen Freiwilligenagenturen Veranstaltungen planen, organisieren und durchführen sind vielfältig. Und sie sind ein wichtiger Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit von Freiwilligenagenturen. Denn sie stellen Bewusstsein für die eigenen Themen, Positionen und Projekte her und machen ihre Arbeit für ein breites Publikum sichtbar.

In den folgenden Handreichungen und Checklisten finden Sie  Informationen und Hinweise für die barrierefreie und inklusive Planung und Durchführung Ihrer Veranstaltungen. Von  Checklisten mit Kriterien für die Auswahl eines barrierefreien Veranstaltungsortes über eine ausführliche Handreichung die den gesamten Ablauf vom ersten Planungstreffen für eine Veranstaltung bis zur Dokumentation im Nachgang abbildt, oder Handreichungen, die den Schwerpunkt auf Barrierefreiheit in der Sprache und Kommunikation legen – die Dokumente unterscheiden sich in ihrem Aufbau und Umfang.

Checklisten für barrierefreie Veranstaltungen

Das Projekt „Selbstverständlich Freiwillig“ des Diakonischen Werks Hamburg führte in 2012 eine Analyse zur Barrierefreiheit der Freiwilligenbörse Aktivoli
durch und wurde im Nachgang gebeten, die nächste Börse zum Thema Barrierefreiheit zu beraten. Die Erfahrungen wurden in einer Checkliste für eine barrierefreie Freiwilligenbörse zusammengefasst.

Kurze Checklisten für die Bereiche  „Veranstaltungsort“, „Programm“ und „Kommunikation“ hat der Sozialhelden e.V. auf der Info-Seite www.ramp-up.me  veröffentlicht. Neben Kriterien für barrierefreie Veranstaltungsorte und Kommunikation im Vorferld sowie bei Veranstaltungen selbst, finden Sie außerdem Tipps für eine inklusive Programmplanung.

Eine kompakte Checkliste mit Anregungen und Tipps, was Sie bei der Durchführung Ihrer Veranstaltung bedenken sollten, um allen Menschen eine möglichst barrierefreie Teilnahme zu ermöglichen, hat die Bundesfachstelle Barrierefreiheit  veröffentlicht.

Laden Sie die Checklisten hier herunter:

Handreichungen für die Planung barrierefreier Veranstaltungen:

Der Paritätische Hessen hat die Handreichung „Barriere-Checker: Veranstaltungen barrierefrei planen“ erarbeitet. Er wurde in zweiter Auflage vom Beirat von Menschen mit Behinderungen der Stadt Heidelberg herausgegeben.

Eine ausführliche Handreichung für die Planung und Durchführung barrierefreier Veranstaltungen hat das Bundeskompetenzzentrum Barrierefreiheit e.V. in Zusammenarbeit mit der Hamburger Agentur K Produktion veröffentlicht.

Eine umfängliche Handreichung in Leichter Sprache hat der Paritätische Baden-Württemberg veröffentlicht.

Laden Sie die Handreichungen hier herunter:

Die vom Netzwerk Leichte Sprache erstellte Handreichung „Regeln für Treffen und Tagungen“ ist ebenfalls in Leichter Sprache verfasst und enthält Tipps und Hinweise, wie Sie Ihre Veranstaltungen ohne Barrieren für Menschen mit Lernschwierigkeiten planen können.

Laden Sie sich die Handreichung hier herunter: