Ungehindert engagiert



Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen engagieren sich für die Natur. Zur Unterstützung ihres freiwilligen Engagements erhalten Erwachsene mit Lernschwierigkeiten Angebote in Leichter Sprache. So können sie ihr Wissen zu Natur und Naturschutz vertiefen und mit eigenem Handeln in Zusammenhang bringen. Darüber hinaus wird Leichte Sprache als Instrument bewusst, das ihnen als Recht zusteht, um teilzuhaben an (Umwelt-)Bildung und Information. Freiwilliges Engagement ist keine Selbstverständlichkeit: Das Projekt macht deshalb die Ergebnisse für den Naturschutz sichtbar, würdigt die Leistungen der Freiwilligen und macht bewusst: Jede/r hat das Recht und die Kompetenz, sich zu engagieren.

Ungehindert engagiert

Projektablauf und Höhepunkte

Beispielgebend wird das Projekt in vier örtlichen Kooperationen umgesetzt: Hauptamtliche MitarbeiterInnen aus je vier Nationalen Naturlandschaften und Einrichtungen der Lebenshilfe und einer Bethel-Einrichtung arbeiten hierbei zusammen. Gemeinsam organisieren sie mit Unterstützung des Projektträgers die notwendigen Rahmenbedingungen für Freiwilligenprojekte, an denen je 10-15 Menschen mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen teilnehmen. Einige dieser örtlichen Kooperationen bestehen schon seit einigen Jahren, das Besondere am Projekt „Ungehindert engagiert“ (2014-15) ist, dass die Freiwilligen nun auch an einem Praxis-Training teilnehmen. Im „Training“ können sie sich in einer für sie leicht verständlichen Sprache gut auf ihre Freiwilligentätigkeit vorbereiten, können nachhaken, wenn sie etwas nicht verstehen, können weiterführende Erklärungen und Anschauungsmaterial nutzen. Hier werden sie auch ermutigt, Leichte Sprache für sich in als Recht in Anspruch zu nehmen. „Nicht ich bin dumm, sondern die andere Sprache ist zu schwer“ und „Ich darf es sagen, wenn ich etwas nicht verstehe und darum bitten, es mir besser zu erklären“ – sind Beispiele solcher Erkenntnisse. Das erforderliche  Selbstvertrauen kann durch das Bewusstsein freiwilligen Engagements entstehen.

Wichtigstes Material zum Lesen und Betrachten sind drei Themenhefte rund um das Thema Natur und Naturschutz an Gewässern, die komplett nach dem Regelwerk der Leichten Sprache erstellt wurden. Bei der Erarbeitung waren Menschen mit Lernschwierigkeiten beteiligt. In Wort und Bild werden einige Tiere und Pflanzen vorgestellt und einige Ursachen für deren Gefährdung benannt, ergänzt durch kurze Texte zur Bedeutung von Naturschutz und freiwilliger Hilfe. Zusätzlich gibt es in den Heften praktische Tipps zum Beobachten und Experimentieren, und es bleibt Raum für eigene Notizen und Bilder. In den vier beteiligten Projektkooperationen wird jeweils ein Themenheft in Praxis-Training und Freiwilligenaktion eingesetzt  und von den Beteiligten auch evaluiert. Im Ergebnis entsteht ein modellhaftes Trainingskonzept, das zusammen mit allen anderen Materialien auf der Projektwebsite zum Herunterladen zur Verfügung steht.

Mit Hilfe der Internetseite kann sich jede Initiative oder Institution, die Ähnliches organisieren möchte, Praxisanregungen und Tipps holen sowie vielfältige Materialien nutzen. Die Seite verfolgt zudem das Ziel, in Wort und Bild darzustellen, dass sich Menschen mit Behinderung ebenso engagieren können wie andere auch. Weitere mediale Beiträge wollen für das Thema ein Bewusstsein schaffen, und mit einem Projektfolder sollen gezielt zahlreiche Multiplikatoren aus Politik und Gesellschaft auf das Engagement der Freiwilligen aufmerksam werden.

Finanziert durch den Förderpreis des Deutschen Naturschutzpreises 2013, ausgelobt durch das Bundesamt für Naturschutz und gestiftet von Jack Wolfskin

Fotos:

Naturthemen in Leichter Sprache: EUROPARC Deutschland e.V.

Freiwillige der Lebenshilfe Altmark West bauen für Igel, Frösche und viele andere Kleintiere Winterquartiere im Naturpark Drömling: Annett Roisch

Freiwillige von Bethel/proWerk  befreien im Nationalpark Wattenmeer eine landschaftstypische Heide von wuchernden, nichtheimischen Gehölzen: Kerstin Emonds