Selbstverständlich Freiwillig



Unter dem Motto „Alle Menschen können sich engagieren. Selbstverständlich auch Menschen mit Behinderungen“ ging das Projekt Selbstverständlich Freiwillig im Jahre 2010 an den Start und endete im April 2015. Ziel war es, nachhaltige Strukturen zu schaffen, damit Menschen mit Behinderungen in Hamburg sich „selbstverständlich freiwillig“ engagieren können. Als eines der ersten Projekte in Deutschland in diesem Themenfeld setzte es sich für einen Perspektivenwechsel ein: „vom Hilfe-Empfänger zum Helfer“. Es gab im Rahmen des Projekts Fachveranstaltungen und Fortbildungen, Informationsmaterialien wurden entwickelt und ein Praxisleitfaden herausgegeben. Viele Menschen mit Behinderungen konnten im Rahmen des Projekts ein Engagement finden.

Selbstverständlich Freiwillig

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Projektablauf und Höhepunkte

Entwickelt wurde das Projekt Selbstverständlich Freiwillig von einer Arbeitsgruppe im Diakonischen Werk Hamburg bestehend aus Freiwilligenkoordinatoren von Trägern der Behindertenhilfe (alsterdorf assistenz west, alsterdorf assistenz ost, Rauhes Haus, Pestalozzi-Stiftung Hamburg) sowie der Referentin Fachberatung Freiwilligenengagement des Diakonischen Werks. War im ersten Moment noch ein „übliches“ Freiwilligenprojekt mit Freiwilligen, die sich für Menschen mit Behinderungen engagieren geplant, vollzog sich in den Köpfen der Arbeitsgruppe rasch ein Perspektivwechsel. Und die Idee war geboren, das Engagement von Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. Die Arbeitsgruppe wollte Wege aufzeigen, wie Menschen, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind, selbst zu Helfenden werden. Menschen mit Behinderungen sollte ein selbstverständlicher Zugang zum Freiwilligen Engagement ermöglicht werden.

Die Arbeitsgruppe entwickelte aus der Idee das Projekt Selbstverständlich Freiwillig und fungierte während der gesamten Laufzeit als Steuerungsgruppe des Projekts. Koordiniert wurde das Projekt von der Projektleiterin Britta Marie Habenicht.

Das Projekt wandte sich an Menschen mit jeder Form von Behinderung. Die Erfahrungen zeigten schnell, dass Menschen mit körperlichen Behinderungen eine Möglichkeit für ihr Engagement eher mit Hilfe konventioneller Freiwilligenstrukturen selbst organisieren können. Schwieriger war und ist es für Menschen mit Lernschwierigkeiten/ geistigen Behinderungen oder psychischen Erkrankungen. Entsprechend ging es im Projekt darum, auf allen Seiten Ängste und Unsicherheiten abzubauen und günstige Rahmenbedingungen für das Engagement dieser Menschen zu schaffen.

Zu Beginn des Projektes standen Informationen für Menschen mit Behinderungen und deren Umfeld im Vordergrund: „Das ist Freiwilliges Engagement“ und „So wird man ein Freiwilliger/ eine Freiwillige“. Es wurden Materialien in Leichter Sprache dazu entwickelt, ein Film gedreht und ein Workshop-Konzept in Leichter Sprache erarbeitet. Ebenso war es am Anfang des Projektes wichtig, Erfahrungen in der Vermittlung und Begleitung von Menschen mit Behinderungen zu sammeln. So konnte das Projekt einige Menschen mit Behinderungen dabei unterstützen, sich als Freiwillige zu engagieren. Zum Beispiel: Maik A., der sonntags Bewohnerinnen und Bewohner eines Pflegeheims zum Gottesdienst begleitet; Henning D., der einmal die Woche beim Seniorennachmittag Kaffee einschenkt; Stefan S., der als Helfer bei Sportwettkämpfen von den Special Olympics zur Stelle ist und Melanie L., die in ihrer Freizeit Hunde aus dem Tierheim ausführt.

Im Laufe des Projekts rückten die Strukturen des Freiwilligenengagements in Hamburg in den Fokus. Ziel des Projektes war es schließlich, nachhaltige Strukturen zu schaffen, damit Menschen mit Behinderungen in Hamburg sich „selbstverständlich“ freiwillig engagieren können. Mit vielen Hamburger Freiwilligenagenturen stand das Projekt Selbstverständlich Freiwillig in engem Kontakt. Für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Freiwilligenagenturen konnten Fortbildungen angeboten werden zu den Themen „Beratung und Vermittlung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen“, „Beratung und Vermittlung von Menschen mit Lernschwierigkeiten / geistigen Behinderungen“ oder „Verwendung von Einfacher Sprache in der Beratung“. Zusätzlich fungierte das Projekt als Ansprechpartner und Berater für  Mitarbeitende von Freiwilligenagenturen zu verschiedenen Fragen rund um das Engagement von Menschen mit Behinderungen.  Außerdem hat das Projekt die Organisatoren der Aktivoli Freiwilligenbörse dazu angeregt, die Börse Jahr um Jahr barrierefreier zu gestalten. Ein Extra- Teil in Leichter Sprache wurde dem Börsenflyer beigefügt und eine eigene AG Barrierefreiheit gegründet. In 2015 wurden im Rahmen eines bewilligten Antrags bei Aktion Mensch viele Maßnahmen zur Förderung der Barrierefreiheit auf der Aktivoli Freiwilligen-Börse durchgesetzt.

In der Hamburger Engagementstrategie wurde in 2014 verankert, dass Menschen mit Behinderungen als eigene Zielgruppe gelten, deren Engagement es zu fördern gilt. Das ist nicht allein dem Wirken des Projektes zuzuschreiben, dennoch hat das Projekt förderlich dazu beigetragen. Als erstes Resultat aus den Handlungsempfehlungen der Engagementstrategie wurde im Frühjahr 2015 der Flyer der Behörde zum Freiwilligen Engagement in Hamburg auch als Broschüre in Leichter Sprache herausgegeben.

Ein großer Erfolg des Projektes ist, dass es gelungen ist, die projektbegleitende Arbeitsgruppe in einen übergreifenden offiziellen Fachkreis des Aktivoli Landesnetzwerks zu überführen. Für einen begrenzten Zeitraum sitzen dort Mitarbeitende von Freiwilligenagenturen, Behindertenhilfe, Behörde, Inklusionsbüro und Freiwillige mit Behinderungen zusammen und wollen dieses Engagement stärken sowie die Umsetzung der Engagementstrategie im Hinblick auf das Thema begleiten.

Nicht zuletzt betrieb das Projekt Selbstverständlich Freiwillig Öffentlichkeitsarbeit mit gedrucktem Informationsmaterial, teils in Leichter Sprache, mit einem Video-Film und Präsenz im Internet sowie auf der Aktivoli-Freiwilligenbörse Hamburg und Veranstaltungen bundesweit sowie umfangreicher Pressearbeit. Höhepunkt war hierbei sicherlich die Herausgabe des Praxisleitfadens „Engagement von Menschen mit Behinderungen – Erfahrungen aus dem Projekt Selbstverständlich Freiwillig“, der auf großes Interesse in Hamburg und bundesweit stieß.

Das Projekt wurde von 2010- 2013 gefördert von Aktion Mensch, 2011 gehörte Selbstverständlich Freiwillig zu den Preisträgern des Innovatio-Sozialpreises und von Herbst 2013 – April 2015 wurde das Projekt mit zweckgebundenen Kollektengeldern der Ev.-Luth. Kirche Deutschland finanziert.