Literarische Gartenfreu(n)de



Immer öfter möchten Menschen mit Behinderungen sich freiwillig engagieren, leider fehlt es aber häufig an barrierefreien Engagementmöglichkeiten. So entstand in Neu-Isenburg die Idee zu den „Literarischen Gartenfreu(n)den“ – ein Projekt, in dem Menschen sich so engagieren können, wie es ihnen gut tut. Ein Ort, an dem Platz für jede und jeden ist, sich nach der jeweiligen Tagesform einzubringen. Wer lesen möchte, tut dies, wer lieber zuhört ist genauso willkommen.

Dank des Treffpunkts in einem idyllisch gelegenen Stadtteilzentrum, besteht auch die Möglichkeit, ein wenig zu Gärtnern, dabei zuzusehen oder vorzulesen, während die anderen etwas im Garten machen.

Seit Mai 2014 treffen sich meist zehn Personen, mit und ohne Behinderungen zum Vorlesen und Gärtnern. Die literarischen Gartenfreunde sind ein Projekt auf Augenhöhe, bei dem jede/r wichtig ist und „Neuzugänge“ jederzeit möglich sind. Sich untereinander füreinander einzusetzen, sich zu helfen oder sich helfen zu lassen ist für die Teilnehmenden selbstverständlich geworden – je nachdem, wie es sich gerade ergibt. Die Treffen finden immer mittwochs zwischen 15.00 und 17.00 Uhr im Stadtteilzentrum West, in Neu-Isenburg statt. Die Jüngste Freiwillige ist 15, die älteste 85 Jahre alt.

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Projektablauf und Höhepunkte

Zunächst drehte sich literarisch alles um den Garten, mittlerweile haben sich die Themenfelder stark erweitert und der Wissensdurst der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist groß. Alle bereiten sich ausgiebig auf die Nachmittage vor und bringen sich mit großem Engagement ein.

Wer mag und „gut drauf“ ist, liest vor, wer etwas auf dem Herzen hat, findet ein offenes Ohr, alle sind gleichberechtigt. Auch außerhalb der Treffen werden die Kontakte mittlerweile weitergeführt. Sei es die Unterstützung einer „Gartenfreundin“, die einen Rollstuhl nutzt, oder seien es Gesprächsangebote an Teilnehmende mit Depressionen: alle sind mal „Gebende“ und mal „Nehmende“ und tragen das Projekt mit ihrer Kontinuität. So wird auch die Autonomie der Teilnehmenden mit Behinderungen gestärkt und das Selbstwertgefühl gestärkt, das durch Erfahrungen der Hilflosigkeit häufig beeinträchtigt war.

Im laufenden Jahr planen die Gartenfreundinnen und Gartenfreunde einen Ausflug nach Marburg. Auch hier kann das starke Netzwerk genutzt werden: Eine Teilnehmerin im Projekt war früher Stadtführerin in der Universitätstadt und übernimmt die Reiseleitung, der Ortsverband des Sozialverbands VdK hat sich bereit erklärt, einen Bus zur Verfügung zu stellen.

Auch beim Stadtteilfest in Neu-Isenburg ist das Projekt vertreten: durch den gemeinsamen Anbau und den Verkauf von Kräutern, die Verkostung von selbstangebautem Minztee und künstlerisch gestalteteten Kräutertöpfchen wird auf die Gartenfreu(n)de auf merksam gemacht.