Lebenshilfe aktiv – Bürgerschaftliches Engagement für und von Menschen mit Behinderung



„Lebenshilfe aktiv“ (2007-2010) startetet mit dem Aufbau eines Netzwerks von Freiwilligenkoordinatorinnen und -koordinatoren inner- und außerhalb der Lebenshilfe, um das bürgerschaftliche Engagement für Menschen mit geistiger Behinderung zu stärken. Doch im weiteren Projektverlauf rückte die Unterstützung des Engagements von Menschen mit Behinderung immer stärker in den Fokus: „Sehen Sie Engagement mal von der anderen Seite!“ lautete einer der Projektslogans: Die „Projektmacher“ haben diesen Perspektivenwechsel zunächst selbst vollzogen und dann auch Fachleute und beruflich Interessierte, die breite Öffentlichkeit und Menschen mit Behinderungen selbst zu einem solchen anderen Blick auf Ehrenamt und Freiwilligenarbeit eingeladen.

Projektablauf und Höhepunkte

Die Unterstützung des Engagements von Menschen mit Behinderungen (insbesondere mit geistiger oder Lern-Behinderung) fand im Projekt „Lebenshilfe aktiv“ auf drei Ebenen statt:

Organisation von Austausch über das Engagement von Menschen mit Behinderung

Wir haben über verschiedene Kanäle eine Kommunikation inner- und außerhalb der Lebenshilfe über das Engagement von Menschen mit Behinderungen organisiert. Welche guten Beispiele gibt es schon? In welchen Feldern der Freiwilligenarbeit sind Menschen mit geistiger Behinderung schon aktiv? Wie haben sie das „geschafft“? Was bedeutet Engagement für sie? Welche Barrieren erfahren sie auf dem Weg ins Engagement, was kann und muss daran getan werden – und welche Situationen und kleinen „Drehs“ kann man schon jetzt nutzen, um Inklusion im Engagementbereich zu erreichen? In der Telefonberatung, auf unserer Projektwebseite und insbesondere in bundesweiten Veranstaltungen haben wir solche Fragen erörtert, Good-Practice-Beispiele vorgestellt und Infos und Erfahrungswerte ausgetauscht. Höhepunkte auf dieser Ebene unserer Arbeit waren die bundesweite Fachtagung „Alle brauchen alle“ am 22./23.2.2010 in Rauischholzhausen bei Marburg und die bundesweite Fachtagung „Unternehmen Engagement“ am 5./6.2014 in Berlin, die bereits außerhalb der Projektzeit lag, doch das Thema fortführte. Hier haben wir das inklusive Engagement mit einem anderen „heißen“ Thema innerhalb der Freiwilligenarbeit kombiniert: mit dem Engagement von Unternehmen.

Öffentlichkeitsarbeit für das Engagement von Menschen mit Behinderungen

Eine zentrale Ebene und Aufgabe unseres Projekts war die Öffentlichkeitsarbeit: Viele Menschen mit geistiger Behinderung interessieren sich für ein bürgerschaftliches Engagement, sie können es, sie machen es schon und sie haben auch ein Recht darauf! Diese Botschaft wollten wir Fachleuten und beruflich Interessierten, Menschen mit Behinderung selbst und vor allem der breiten Öffentlichkeit nahebringen, um einen Perspektivenwechsel, einen anderen Blick auf Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft zu befördern. Viele Vorträge, unsere Projektwebseite und Pressearbeit waren hier unsere Mittel, doch der Höhepunkt unserer Arbeit auf dieser Ebene war sicherlich die Kampagne „Sehen Sie Engagement mal von der anderen Seite“, die wir gemeinsam mit der Gesellschafter-Initiative der Aktion Mensch 2010 durchführten. Hauptwerbemittel der Kampagne waren Folder mit einem Wechselbild, das den Perspektiventausch „sinnlich erfahrbar“ machte. Weitere Doku-Infos finden sich auf hier.

Nutzung und Initiierung von Kooperationen für das Engagement von Menschen mit Behinderungen

Als bundesweit tätiger Verband hat die Lebenshilfe viele tolle Kooperationspartner in Wirtschaft und Gesellschaft. Im Projekt „Lebenshilfe aktiv“ haben wir gezielt versucht, solche Freunde und Partner für das Thema Inklusion im Engagement zu gewinnen und gemeinsame Aktionen zu starten. Z.B. wurden bei einem bundesweiten Aktionstag der Firma Cisco für die Lebenshilfe an einigen Standorten Engagementprojekte durchgeführt, bei denen sich Firmenmitarbeiter gemeinsam mit Menschen mit Behinderung für Dritte engagierten. Ein anderes Beispiel: Die Lebenshilfe tritt regelmäßig als Unterstützer der Veranstaltungen zum Brandschutz für Menschen mit Behinderung auf, die von der Initiative „Mission Sicheres Zuhause“ durchgeführt werden – und auf einer dieser Veranstaltungen präsentierte sich ein Freiwilligen Feuerwehrmann mit Lernschwierigkeiten. Wir haben aber auch „neue“ Kooperationen gestartet, um das Engagement von Menschen mit Behinderung zu fördern – darunter ist eine der nachhaltigsten diejenige mit EUROPARC Deutschland, dem Dachverband der Naturparks, Nationalparks und Biosphärenreservate in Deutschland. Gemeinsam haben „wir Dachverbände“ unsere Mitglieder vor Ort zur Zusammenarbeit angeregt, um Menschen mit Lernschwierigkeiten, die sich für den Naturschutz interessieren, ein Engagement zu erleichtern. Die Kooperation lebt heute im EUROPARC-Projekt „Ungehindert engagiert“ weiter. „Lebenshilfe aktiv“ war auf den Zeitraum von 2007 bis 2010 begrenzt – doch fast alle dort aufgebauten Fragestellungen, Partnerschaften und Kommunikationskanäle zum Thema Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit Behinderung werden auch heute noch von der Bundesvereinigung Lebenshilfe fortgeführt.