AKTIVOLI-Freiwilligenbörse Hamburg



Die AKTIVOLI-Freiwilligenbörse ist eine der größten Ehrenamtsmessen in Deutschland und bringt einmal im Jahr Freiwillige und Einsatzorte in Hamburg zusammen. Bis zu 5.000 Menschen besuchen jährlich die Börse, um sich über Möglichkeiten des freiwilligen Engagements in der Hansestadt zu informieren. Mehr als 160 gemeinnützige Organisationen präsentieren sich auf der AKTIVOLI und bieten freiwillige Tätigkeiten aus dem sozialen, kulturellen, Umwelt- und Gesundheitsbereich, z. B. die Begleitung von Menschen mit Behinderungen, Lesepatenschaften für Kinder, Deutschunterricht für Zuwanderer oder die Mitwirkung in Theaterprojekten. Die Börse fand erstmals 1999 statt und wird organisiert von den sechs Hamburger Wohlfahrtsverbänden und dem AKTIVOLI-Landesnetzwerk, einem Verbund von ca. 50 Hamburger Einrichtungen, die sich für bürgerschaftliches Engagement einsetzen.

 

 

Projektablauf und Höhepunkte

Menschen mit Behinderungen sind seit einigen Jahren stärker auf der Börse präsent. Die Organisatoren der AKTIVOLI bemühen sich, noch mehr Menschen mit Behinderungen als Besucherinnen und Besucher zu gewinnen und sie für ein freiwilliges Engagement zu begeistern. Dazu werden inklusive Maßnahmen ergriffen, die Menschen mit Behinderungen den Zugang zur Börse und zum Engagement erleichtern. Die Börse soll alle Beteiligten – Aussteller, Besucher, Öffentlichkeit – für das Thema sensibilisieren und zu einem Perspektivwechsel anregen: Menschen, die in ihrem Alltag auf Unterstützung anderer angewiesen sind, können sehr wohl Freiwillige werden und anderen helfen.
Deshalb hat die Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege (AGFW) als Hauptveranstalterin der AKTIVOLI-Freiwilligenbörse vor drei Jahren eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, die Maßnahmen zur Förderung der Inklusion umsetzt. Der Arbeitsgruppe gehören Vertreterinnen und Vertreter aus der Eingliederungshilfe und verschiedenen Engagementfeldern an, die von Expertinnen und Experten für Barrierefreiheit unterstützt werden. Zum Teil haben diese Expertinnen und Experten auch selbst eine Behinderung. Die Arbeitsgruppe beginnt jeweils sechs Monate vor der Börse mit den entsprechenden Vorbereitungen und setzt folgende Maßnahmen um:

  • Es werden Informationen in Leichter Sprache im Börsen-Flyer und auf der Homepage bereitgestellt.
  • Für Menschen mit Lernbehinderung wird ein Vortrag in einfacher Sprache zum Thema „Sie wollen anderen helfen? Das sollten Sie dazu wissen.“ angeboten.
  • Einige Vorträge des Rahmenprogramms werden von Gebärdendolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetschern begleitet.
  • Der Ausstellerkatalog ist als DAISY-Hörbuch im Internet als Download abrufbar und auf der Börse als CD erhältlich.
  • Die im Katalog verzeichneten Projekte der Ausstellenden sind mit Symbolen gekennzeichnet, die dabei helfen, die thematische Ausrichtung des Projekts unmittelbar zu erkennen. Die Grafiken wurden von einer Illustratorin mit Fachkenntnissen in Leichter Sprache entwickelt.
  • Besucherinnen und Besucher mit Beeinträchtigungen haben die Möglichkeit, einen Begleitdienst in Anspruch zu nehmen und sich von freiwilligen Helferinnen und Helfern über die Börse begleiten zu lassen.
  • Da der Haupteingang des Veranstaltungsorts nicht barrierefrei ist und Besucherinnen und Besucher mit Mobilitätseinschränkungen einen ebenerdigen Nebeneingang nutzen müssen, steht dort ein Abholdienst bereit, der Eintretende in die Messesäle begleitet.
  • Blinden und sehbehinderten Besuchern wird die Orientierung im Eingangsbereich erleichtert, indem dort ein taktiles Bodenleitsystem verlegt wird.
  • Vor dem Veranstaltungsgebäude werden mehrere temporäre Behindertenparkplätze eingerichtet, da die nächstgelegenen dauerhaften Behindertenparkplätze recht weit entfernt sind.
  • Auf jeder Börse wird eine Besucherumfrage durchgeführt. In 2016 wurde erstmals die Umfrage mit Hilfe von Tablets durchgeführt, auf denen die Befragten per Touchscreen ihre Antworten eingeben konnten. Freiwillige Interviewerinnen und Interviewer gingen mit den Tablets durch die Besuchermenge und haben Messebesucherinnen und Messebesucher mit und ohne Handicap gezielt angesprochen, um ihr Feedback zum Messebesuch zu erbitten. Zu den Befragerinnen und Befragern zählten Menschen mit und ohne Behinderung, die in inklusiven Teams unterwegs waren.
  • Die Aussteller der AKTIVOLI erhalten zur Vorbereitung eine Checkliste, die sie über eine möglichst barrierefreie Gestaltung ihres Messestands aufklärt.
  • Für freiwillige Helferinnen und Helfer, die am Börsen-Tag die Veranstalter unterstützen und auch für das Standpersonal der Aussteller bietet der Veranstalter eine inklusive Schulung an, in der die Teilnehmenden für den Umgang mit Menschen mit Behinderungen sensibilisiert werden.

Zur Finanzierung der Maßnahmen werden Mittel aus dem Programm „Noch viel mehr vor“ der Aktion Mensch verwendet. Alle Maßnahmen werden von einem Experten, der selbst eine Behinderung hat, evaluiert und die Ergebnisse gemeinsam mit den Organisatoren ausgewertet.

Materialien